Archive for April, 2011


In Zeiten der Formel 1 oder anderen grossen Sportereignissen mag dem geneigten Champagnerfreund ein eiskalter Schauer den Rücken herunterlaufen, wenn euphorisch die grossen Flaschen geköpft und das teure Gut in die Menge oder über den Kopf des Siegers verspritzt wird. Auch eine Möglichkeit, Champagner zu geniessen…
Was dort im Übermaß praktiziert wird, ist oftmals im kleinen oder privaten Kreis genau das Gegenteil. Sowohl bei unseren Seminaren, aber auch bei Treffen mit Freunden, die nicht so oft Champagner trinken, kommt immer die Frage auf, wie man Champagner denn „richtig“ trinkt! Kleine Schlückchen zu nehmen ist kontraproduktiv zum Genuss! Denn so kann der Champagner seine wirkliche Aromenvielfalt gar nicht ausbreiten und den Geniesser mit allen Regeln der Kunst umgarnen.

Zum wahren Genuss ist es notwendig, einen guten Schluck zu nehmen, der den Mund füllt. Der Champagner muss mit seiner Perlage in der Mundhöhle anstossen und sie in ein kleines Feuerwerk prickelnder Ekstase verwandeln. So kann der oftmals komplexe Körper, nach Jahren der Reife in der Flasche, zeigen, was er wirklich zu bieten hat. Mit der Zunge wird nun der Geschmack an die verschiedensten Zentren im Mund bewegt. So gibt der Champagner die verschiedensten Geschmacksnoten preis, lässt die Mousse langsam weniger werden und bietet nach ein paar Sekunden den perfekten Zeitpunkt zum Herunterschlucken. Nur so kommen seine weinigen Noten und Fruchtcharaktere zum Vorschein.

Machen Sie selbst den Test. Trinken Sie aus ein und demselben Glas einen winzigen Schluck und beschreiben den Champagner. Danach das Gleiche noch mal mit einem grossen Schluck, wie aus einem Wasserglas. Was für ein Unterschied!
Vor allem aber ist das Geniessen in grossen Schlücken mit viel mehr Spass verbunden: es wird schneller eine neue Flasche benötigt :-)


Das Besondere an der „Methode Champenois“ ist, dass die Champagner nicht im Weinfass sondern in der Flasche vergären und dort die so wichtige Kohlensäure produzieren und einen besonderen Geschmack erhalten.
Der Gärprozess findet mit Hilfe der Hefe im Wein statt. Einfache Standard Champagner bleiben für 15 Monate mit Hefe in der Flasche in den Lagerhallen. Hochwertige Champagner, z.B. Jahrgangs-Champagner, werden oftmals über drei bis sechs Jahre „auf der Hefe“ und in der Flasche gelagert.

Bevor der Champagner nun für den Verkauf bereitgestellt werden kann, muss die Hefe aus der Flasche entfernt werden, da sie trübe aussieht und nicht sonderlich schmeckt. Genau hier kommt das „Rütteln“ der Flaschen ins Spiel. Die Flaschen werden mit dem Hals nach unten in schräg aufgestellte „Rüttelpulte“ gesteckt (Siehe Bild rechts). Dann werden sie bis zu 12 Wochen lang täglich, meist noch per Hand, von den sog. Remueurs (den „Rüttlern“) gerüttelt, um ein-achtel gedreht und immer steiler in das Regal gestellt, bis die Flaschen ganz auf dem Kopf stehen. So setzt sich Schritt für Schritt der Bodensatz bzw. die Hefe im Flaschenhals ab und kann später aus der Flasche entfernt werden. Erfahrene Rüttelmeister können pro Tag rund 30.000 Flaschen Champagner drehen – wobei viele grosse Firmen das Rütteln heute maschinell durchführen.